Ihre persönliche Inflationsrate

 

Das Statistische Bundesamt (destatis) liefert etliche Zahlen, darunter viele, die dem “Nicht-Eingeweihten” relativ wenig sagen dürften: Konjunktur-, Struktur- und Nachhaltigkeitsindikatoren, Zahlen zum Arbeitsmarkt, zur Bevölkerung, zum Einkommen und vieles andere mehr.

Eine bedeutende und für den Verbraucher hoch relevante Statistik, die monatlich vom Wiesbadener Statistik-Bundesamt veröffentlicht wird, ist die Entwicklung der Verbraucherpreise. Hier wird die Kaufkraft des Geldes gemessen – also diejenige Menge an Waren und Dienstleistungen, die man mit seinem Einkommen
konsumieren kann. Im Zeitverlauf ändert sich diese Kaufkraft ständig. Nimmt sie ab, spricht man von Inflation, steigt sie, spricht man von Deflation. Normalerweise haben wir es mit einer mehr oder minder hohen Geldentwertung zu tun, sprich: Inflation. Diese so gering wie möglich zu halten, ist das Ziel der Geldpolitik, die von den Notenbanken betrieben wird. Inflation ist nämlich so etwas wie “Enteignung” – ist sie hoch, so kann der Verbraucher immer weniger für sein Geld kaufen, weil die Preise der Waren und Dienstleistungen ständig und stark ansteigen.

 

Wie wird Inflation gemessen?

Die Statistiker messen die Preisentwicklung durch die Bildung von so genannten “Warenkörben”. Also einer möglichst repräsentativen Zusammenstellung von Gütern, die von einem durchschnittlichen Haushalt im Zeitverlauf ge- und verbraucht werden. Bestandteile eines solchen Warenkorbes sind unter anderem Mieten, Heizkosten, Stromkosten, Nahrungsmittel, Kosten für Elektrogeräte, Urlaubsreisen, Telekommunikation und vieles andere mehr.

Vor etlichen Jahren war ich als “Projektleiter Euro” in einer mittelständischen Bank sehr deutlich mit der Problematik dieser Warenkörbe konfrontiert. Während die statistische Inflationsrate aufgrund des “repräsentativen Warenkorbes” nur vergleichsweise moderat anstieg, so war das Empfinden vieler Verbraucher ein ganz anderes. Die Preise der in den jeweiligen Haushalten tatsächlich verbrauchten Waren stiegen viel stärker, als es die veröffentlichte Inflationsrate glauben machte. Der Euro wurde vielfach umbenannt in “TEuro” – die Währungsumstellung geriet in den Geruch einer großen Mogelpackung. Die daraus resultierenden Diskussionen brachten mich zugegebenermaßen manchmal ins Schwitzen – hatte ich doch keine anderen Zahlen, als die seinerzeit veröffentlichten Statistiken, die auf den oben genannten repräsentativen Warenkörben beruhten. Die gefühlte Wahrheit war eine andere.

 

Statistik und subjektives Empfinden sind zweierlei – nicht immer “stimmt” die Statistik

Und in der Tat war es so, dass in den folgenden Jahren der Begriff der “gefühlten Inflation” (hier ein lesenswerter Artikel aus der Börsen-Zeitung vom 12.04.2007) immer mehr die Runde machte. “Alltägliche Ausgaben wie Lebensmittel, Heizung und Verkehr hatten einen höheren Preisanstieg als teurere, superiore Güter wie Computer, Autos oder Pauschalreisen.”, so ist im Internet-Lexikon Wikipedia zu lesen.

Mittlerweile bietet das Statistische Bundesamt unter diesem Link (-> Persönlicher Inflationsrechner) die Möglichkeit für jeden, eine Inflationsrate auf Basis der eigenen individuellen Verbrauchsgewohnheiten (oder -notwendigkeiten) zu errechnen. Aus meiner Sicht mehr, als nur eine Spielerei – ist doch das Wissen um den Tatbestand von Inflation ein wesentlicher Punkt, der die persönliche Finanzplanung beeinflusst. Vor allem, wenn man bedenkt, dass auch in 20 oder 30 Jahren fällig werdende Altersversorgungsansprüche vor diesem Hintergrund real viel weniger wert sein werden, als heute angenommen.

Um den Inflationsrechner sinnvoll nutzen zu können, ist es notwendig, die Struktur des persönlichen Verbrauchs zu kennen. Also die Größe der Warengruppen-Anteile, die im jeweiligen Haushalt tatsächlich konsumiert werden. Sinnvollerweise macht man also eine kleine Haushaltsrechnung über die letzten Monate.

Ein kleiner Wermutstropfen: die individuelle Preisentwicklung wird zwar seit Januar 2000 ausgewiesen und mit der statistischen Entwicklung verglichen – die weitaus interessantere Inflationsrate wird aber im Vergleich nur für die letzten 12 Monate errechnet. Hier wäre der Ausweis des langfristigen Durchschnittes sinnvoller. Aber einen interessanten Einblick in die persönlichen Verhältnisse liefert der Inflationsrechner allemal.

Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, können Sie mich hier kontaktieren

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2 Responses to Ihre persönliche Inflationsrate

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